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Die Liebe – Versuche ein rätselhaftes Phänomen zu ergründen

Ein Vortrag von Brie PreskerZusammengefasst von Martina De Rosi

 

Das Thema Liebe scheint Frauen mehr anzuziehen als Männer – zumindest diesen Donnerstag war es so bei uns im Zentrum – in einer sehr lebendigen, offenen Frauenrunde ergründen wir also dieses so große, kaum fassbare Phänomen. Als Leitlinie hat Brie wieder den Ansatz der Gestalt mitgebracht, die davon ausgeht, dass alles sein darf, was gerade ist und, dass wir von der Wahrnehmung von uns selbst und des eigenen Seins ausgehen. Das ganze Leben ist ein Prozess und in jedem Augenblick können wir uns fragen, wo unser Platz ist, wo die Menschen sind, die uns guttun. Unsere Prägungen sind wichtig, sie beeinflussen uns, aber die Verantwortung für unser Leben tragen wir und unseren Weg müssen wir selbst gehen. Wir können uns fragen, wie wir mit uns selbst umgehen in allen Rollen in unserem Leben – als Töchter, als Mütter, als Ehefrauen. Wenn wir verstehen, wer wir sind und was für uns wahr ist, dann werden wir nichts mehr tun, was gegen uns ist. Und das ist schon eine ganz grundlegende Form der Liebe.

Bei einem Blitzlicht in der Runde wird das noch klarer. Es gibt keine fest geschriebene Definition von Liebe. Sie ist weit und groß, warm, fein und nicht fassbar, für einige steht sie gerade ganz neu vor der Tür, andere werden überrollt, für manche ist sie etwas schwierig, schmerzhaft, verwirrend und fordernd. Einige sind am Üben. Für jemanden bedeutet Liebe Freiheit. Andere spüren sie als Art Verschmelzung. Manche lieben ihre Kinder, ihre Männer, andere lieben ihre Tiere und die Natur. Und es fallen Begriffe wie bedingungslose Liebe und Selbstliebe. Was steckt dahinter?

In der wissenschaftlichen Psychoforschung hat die Liebe interessanterweise keinen Platz. Krankheiten, Depressionen und Sucht sehr wohl, aber nicht die Liebe. Sie ist nicht messbar und deshalb existiert sie für die Wissenschaft nicht. Aber es ist nicht zu verneinen, dass sie ein zentrales psychisches Phänomen ist, das auch vielen Menschen immer wieder Probleme bereitet. Es passiert so viel Missverständnis im Namen der Liebe, auch viele Abscheulichkeiten, wie es unschwer in der Weltliteratur mit Tragödien bis hin zu Mord und Totschlag nachzulesen ist. Und irgendwie scheinen wir Menschen von dieser Seite der Liebe auch fasziniert zu sein. Vielleicht weil viele von uns als Kleinkinder schon erlebt haben, wie es sich anfühlt nicht bedingungslos angenommen zu werden und schon ganz klein eine gewisse Irritation über das Leben gespürt haben, die sich bis in das Erwachsenenalter hinein zieht.

Nachdem die Liebe also nicht wissenschaftlich erfasst werden kann, fällt sie in den Bereich der psychologischen Philosophie. Und wenn ich etwas in der Philosophie definieren will, kann ich mit der Negation des Begriffes anfangen und mir anschauen: Was ist die Liebe also nicht?

Es gibt verschiedene Mythen rund um die Liebe, die uns zeigen können was die Liebe alles nicht ist:

Mythos Nummer 1: Wenn der Sex in Ordnung ist, ist es die Liebe auch. Das stimmt laut Brie nicht, es gibt Liebe ohne Sex und Sex ohne Liebe. Und ganz bestimmt gibt es keine eindeutige Gebrauchsanweisung für das, was wir Liebe nennen. Ein Sexberater alleine löst die Frage also nicht auf. Eher können wir die Liebe als einen Katalysator bezeichnen, der den Sex auch noch bereichert und aufgehen lässt wie die Hefe einen Kuchenteig.

Mythos Nummer 2: Liebe ist nur etwas für junge Menschen. Auch das stimmt nicht. Du entwickelst deine Fähigkeit zu lieben und die Welt freudig wahrzunehmen schon als kleines Kind und du behältst sie bis zu deinem letzten Atemzug. Es gibt wunderschöne Geschichten über frisch verliebte Menschen im hohen Alter.

Mythos Nummer 3: Die große Liebe dauert ewig. Das kann sie, muss sie aber nicht. Früher wurden Menschen nicht besonders alt, da konnte diese Hypothese noch recht gut bestehen, aber heute werden viele Menschen fast ein Jahrhundert alt, da ist das nicht selbstverständlich. Die Annahme, dass eine Liebe ewig dauern muss, kommt aus dem Gedanken des Besitztums. Ich liebe dich, du gehörst mir, für immer.

Mythos Nummer 4: Eifersucht gehört zur Liebe dazu. Das kommt aus derselben Richtung wie der obige Mythos. Ich habe Besitzanspruch auf dich, du bist mein Mann, mein Kind, meine Liebe und deshalb habe ich ein exklusives Recht auf dich. Das ist ein Irrtum und hat mit Liebe nichts zu tun, sondern mit Konsum.

Vielleicht können wir die Liebe als ein Energiephänomen zwischen Menschen bezeichnen. Erich Fromm sagt: „Die Liebe ist eine Kunst“. Eine Kunst muss ich erlernen und üben. Viele denken, die Liebe ist etwas, das uns einfach zufällt und, das wir können, aber Liebe will geübt werden. Manchmal gibt es Liebe auf den ersten Blick, manchmal rutscht die Liebe erst später auf den 2. Blick nach. Was uns helfen kann die Liebe zu erkennen und zu pflegen ist die Hinwendung zum Leben. Sie schärft unsere Wahrnehmung und unsere Freude. Und ich kann die Aufmerksamkeit der Liebe und dem Leben gegenüber noch verstärken, wenn ich für mich alleine etwas finde, das es mir erlaubt auch auf mich selbst in Liebe zu schauen. Das kann Yoga und Meditation sein, die uns Freiheit und das Bewusstsein schenken, dass es an uns selbst liegt, welche Qualitäten wir in unser Leben holen und kultivieren.

Voltaire sagte: „Glücklich sein ist gut für die Gesundheit. Also beschließe ich glücklich zu sein.“ Aristoteles fand „es gibt nichts Schöneres als sich an seinem eigenen Wesen zu erfreuen.“ Und auch Jesus hat uns eine wichtige Botschaft hinterlassen, die allzu oft falsch interpretiert wird: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ Also ist die Selbstliebe die beste Grundlage für ein liebeserfülltes Leben. Und wenn wir uns selbst liebend betrachten können, dürfen wir alles tun, was wir möchten. Wir dürfen unsere eigene Art zu lieben entdecken und leben. Ich kann einen einzigen Mann ein ganzes Leben lang lieben und dadurch eine Art Liebes-Überlebenstraining machen, ich kann viele Männer lieben und die verschiedensten Facetten erforschen, ich kann sogar mehrere Menschen gleichzeitig lieben oder auch alleine glücklich sein.

Was dabei aber nie und nimmer verloren gehen soll, ist die Liebe zum Leben selbst und unsere Lebendigkeit. Die Liebe ist quirlig und erquickend, manchmal verwirrend und manchmal himmlisch. Die Liebe kann groß und verschmelzend sein, sie kann geben und nehmen, sie kann verzeihen. Sie kann sprudeln wie ein Quell und Freude sein. Und das gefällt uns, da sind wir uns in der Gruppe einig. Damit gehen wir gerne wieder hinaus in die Welt und halten unsere Sinne offen für die Liebe und das Leben.

Danke Brie! 😊


Das andere Geschlecht. Beziehungsweise – Frauen sind anders, Männer auch.

Ein Vortrag von Brie Presker. Zusammengefasst von Martina De Rosi

 

Gleich zu Beginn taucht die Frage auf, wie das andere Geschlecht denn eigentlich ticke. Diese Frage begleitet uns diesen Abend durch den Vortrag von Brie. Ist es nun wirklich so, dass Frauen anders sind als Männer? Oder sprechen wir von einem weiblichen und männlichen Prinzip, das in allen Menschen in unterschiedlichen Ausprägungen vorhanden ist und uns deshalb unterschiedlich sein lassen unabhängig von unserem biologischen Geschlecht?

Wir werden uns recht schnell einig, dass es vielleicht vereinfacht ist, die Frage nur auf das biologische Geschlecht zu reduzieren. Vielmehr kommen die gefühlten Unterschiede aus jahrhundertelanger Konditionierung, die wir alle noch mit uns herumtragen. Aus der Geschichte erfahren wir, dass die Frau bis zur 68er Revolution im letzten Jahrhundert, mehr oder weniger eine Gefangene war. Sie konnte nicht selbstbestimmt leben, war abhängig und wurde entweder als Heilige oder als Hure gezeichnet, als Engel des Hauses, als heilige Mutter, als Zuständige für die Kinderbetreuung. Sie wurde und hat sich selbst durch den Mann definiert. Oft wurde die Frau als Natur bezeichnet, der Mann als Geist.

Erst nach der Revolution in den 60iger Jahren und dem Aufkommen der Pille bekam die Frau mehr Bestimmungsfreiheit über sich selbst. Sie konnte selbst entscheiden, ob, wann und wie viele Kinder sie bekommen wollte. Langsam hat sie sich die Freiheit herausgenommen zu entscheiden ob sie mit einem Mann zusammen sein wollte oder nicht. Simone de Beauvoir, die Autorin des Standart- Werkes „Das Andere Geschlecht“, ist eine der Frauen aus der Geschichte, die uns gezeigt haben, dass es möglich ist selbst zu wählen.

Vorher sieht die Frauengeschichte auch in Europa nicht besonders rosig aus. Eine Herzogin aus dem 16. Jh. beschrieb folgendes: „Frauen leben wie Fledermäuse, schuften wie Esel und sterben wie Würmer.“ Männer durften ihre Frauen schlagen und auch in der „aufgeklärten“ Renaissance gab es keine große Humanität, wenn es um das Verhältnis von Frau und Mann ging.

Nun haben wir das Glück in Europa zu leben, wo wir gerade die längste Friedenszeit aller Zeiten in der Geschichte erleben dürfen und haben deshalb die Möglichkeit uns unabhängiger zu machen, freier zu werden, anders zu leben. Und doch sind wir noch geprägt von der Idee der Kirche, dass die Frau aus der Rippe eines Mannes entstanden ist, dass die Frau schlecht ist, weil sie den Mann in Unruhe bringt und, dass die Frau als Besitz des Mannes gilt.

Erst langsam lösen auch wir uns von diesen Prägungen und können uns freier und selbstbewusster bewegen und für uns selbst wählen wie wir leben möchten.

Eine Geschichte, die Mann und Frau als gleichwertig darstellt, finden wir in der Philosophie Platons. Er spricht von Kugelmenschen, die 4 Arme, 4 Beine und 2 Köpfe hatten. Sie waren schön und schlau. Die Götter waren neidisch auf die Kugelmenschen und haben sie entzweigeschnitten. Nun irrten die beiden Hälften verloren auf der Welt herum und hatten auch noch ihre Geschlechtsteile auf dem Rücken. Zeus hatte Erbarmen und hat die Geschlechtsteile nach vorne gesetzt und nun passiert es manchmal, dass zwei Hälften eines Kugelmenschen wieder zueinander finden und sich im größten Glück vereinen.

Wenn wir uns unsere Beziehungen heute anschauen, dann scheint das größte Glück und das größte Elend in unserer unterschiedlichen Fähigkeit zur Kommunikation zu liegen. Es scheint als hätten Frauen eher das Bedürfnis sich mitzuteilen, über ihre Gefühle zu sprechen, möchten gehört werden und Männer hingegen eher lösungsorientiert sind und keine große Lust auf Kommunikation haben. Liegt das in den Genen, in der Evolution oder in der Erziehung? Wahrscheinlich haben alle drei Bereiche ihren Einfluss. Bestimmte genetische Prägungen werden uns von unseren Vorfahren auch noch über Generationen hinweg vererbt und die gesellschaftliche Konditionierung sitzt tief.

Daher können wir uns unsere Beziehungen am besten anschauen, wenn wir uns eingestehen, dass Andersartigkeit kein Unrecht ist. Wenn ich sehe, dass Beziehungen einfach aus verschiedenen Blickwinkeln erlebt werden und meine weibliche Wahrheit anders ist als die männliche Wahrheit meines Gegenübers ohne Urteil über richtig und falsch, dann kann ich gut damit umgehen. Dann kann ich mich auch in den anderen hineinfühlen ohne verletzt zu sein. Vielleicht kann ich auch meine Ansprüche an den anderen und Illusionen darüber, wie ich glaube, dass der andere in einer guten Beziehung sein muss, loslassen. Ganz oft ist es eine große Chance, die eigenen Muster und unbewussten Konditionierungen zu erkennen und den Druck heraus zu nehmen. Vielmehr geht es darum, dass ich mir selbst auch zugestehe, zu sein wie ich bin, dass ich in meiner Beziehung mir selbst die Treue halte und mich gut um mich selbst kümmere und nicht dem Glauben verfalle, ich müsse anders sein, um richtig zu sein.

Dann darf Frau anders sein, und Mann auch.


Ayurveda – die Wissenschaft des Lebens und die Medizin des Vorher

Ein Wochenende mit Cosimo Calavita, Zusammengefasst von martina de rosi

Vor 6000 Jahren haben Menschen im indischen Kulturraum ein Modell entwickelt um den Menschen ganzheitlich zu erklären. Sie haben sich und ihre Mitmenschen sehr aufmerksam und tagtäglich beobachtet um heraus zu finden, woraus wir bestehen und wie wir funktionieren. Diesen Beobachtungen haben sie sogar eine eigene Lebensphase gewidmet. Nachdem sie ihre sozialen Aufgaben in der Gesellschaft erfüllt haben, gearbeitet haben, eine Familie gegründet und Kinder großgezogen haben, haben sie sich für einige Zeit ganz alleine in den Wald zurückgezogen um in sich zu gehen und sich selbst zu erforschen.

Und so kam es, dass die „Wissenschaft des Lebens“, Ayurveda, sich entwickelt hat und diese Menschen ein sehr tiefes Wissen über den Menschen erlangt haben. Der Mensch ist ein sehr komplexes Wesen und kann nicht durch einen einzigen Ansatz oder ein einzelnes mathematisches Konzept erklärt werden. Parallel zu Ayurveda und mit der Zeit sind in verschiedenen Teilen der Welt weitere Modelle entstanden, die sich bestimmten Teilbereichen in der Tiefe gewidmet haben und so für bestimmte Aspekte der Menschlichkeit sehr wertvoll sind, wie die Traditionelle Chinesische Medizin oder Unani, unsere westliche antike Medizin nach Hippokrates.

Lange Zeit wurden die Erkenntnisse von Ayurveda in unserer westlichen Welt nicht verstanden und nicht akzeptiert. Zentren und Schulen, die im indischen Kulturraum auf Ayurveda spezialisiert waren, sind in der Kolonialzeit zerstört worden. Erst jetzt, nachdem wir über unsere wissenschaftlichen Studien, langsam zu dem Schluss kommen, dass das was die Menschen vor 6.000 Jahren durch tägliche Beobachtungen über sich selbst herausgefunden haben, auch wissenschaftlich wahr ist, beginnen wir dieser antiken und sehr ganzheitlichen Wissenschaft ihren Platz zu geben.

Was macht den Ansatz von Ayurveda ganzheitlich? Wenn wir uns anschauen, wie die Menschen damals die Welt erklärten, dann wird das recht schnell klar. Sie haben das Universum beobachtet und haben fest gestellt, dass alles aus verschiedenen Energien in verschiedener Zusammensetzung besteht. Diese Energiefelder oder Elemente sind der Raum (die Leere, Äther), Luft, Feuer, Wasser und Erde. Es ist absolut erstaunlich, dass die Menschen damals schon das Konzept von leerem Raum fassen konnten. Heute reisen wir in den Weltraum außerhalb unserer Atmosphäre und können uns daher etwas darunter vorstellen, aber, dass die Menschen damals schon zur Einsicht gekommen sind, dass das am meisten verbreitete Element im Universum leerer Raum ist, ist bewundernswert. Alles was uns umgibt, besteht aus diesen 5 Elementen. Und folgerichtig haben die Menschen daraus die Konsequenz gezogen, dass auch wir Menschen daraus gemacht sind. „Alles was im Außen ist, ist auch im Innen.“ Das bedeutet, dass auch wir, zu einem großen Anteil aus leerem Raum bestehen. Schwer vorstellbar, aber faszinierend. Und wir sind konstant im Austausch mit dem Universum. Wir sind nicht abgetrennt, wir sind Eins.

Das bedeutet, dass wir nicht nur aus unserem physischen, materiellen Körper bestehen, sondern, dass es noch weitere Energien gibt, die uns umhüllen und in und um uns wirken. Wir sind ständig in Verbindung mit den für uns nicht sichtbaren Energiefeldern von anderen Menschen, auch, wenn wir gar nicht physisch in Kontakt mit ihnen sind. Und noch ein kraftvolles Mittel besitzen wir um in Kontakt mit unserer Umwelt und der Energie der anderen zu sein: unsere Sprache. Wählt eure Worte mit Bedacht, sie sind wie Steine und können in einem Augenblick Energiefelder verändern und Leid erzeugen. Benutzt Worte achtsam und achtet darauf, dass ihr Worte, die auf euch zufliegen nicht aufsaugt, persönlich nehmt und dadurch euer Gleichgewicht verliert. Reinigt euch von Verletzungen, jeden Tag wieder, damit ihr mit offenen Armen auf die Welt und die Menschen zugehen könnt.

Aus diesem Grund ist es auch nicht genug, wenn wir über Gesundheit sprechen, dass wir uns als individuellen, physischen Körper mit Symptomen betrachten. Unser Körper und seine Symptome können uns Aufschluss darüber geben, was in unserem Energiesystem gerade los ist und wo es vielleicht Ungleichgewichte gibt. Dafür hat Ayurveda ein Modell entwickelt, das prinzipiell drei verschiedene Energietypen definiert, die Doshas gennant werden: Vata (Raum und Luft), Pitta (Feuer und Wasser) und Kapha (Wasser und Erde). Die Doshas und ihre Eigenschaften können uns zeigen, welche Energiefelder in uns gerade stärker wirken, wo wir Lücken haben, wo wir ausgleichen können. Dieses Gleichgewicht in uns wandelt sich ständig, hängt ab von der Jahreszeit, der Tageszeit und unserer Lebensphase. Nur ein kleiner Teil, wird uns als Grundkonstitution bei unserer Geburt mitgegeben. Diese Grundkonstitution verbirgt die Aufgabe, die wir als individueller Funke in dieser materiellen Welt bekommen haben. Finde heraus, wo dein Ungleichgewicht liegt, was es mit dir macht, wie es dich bremst, wo es dich daran hindert in deinem Lebensfluss zu fließen.

Wir sind Fluss! Und, wenn wir nicht fließen können, werden wir krank. Ayurveda gibt uns vier Anhaltspunkte oder Schrittfolgen mit, die wir uns anschauen können, wenn wir merken, dass uns irgendetwas blockiert und wir wieder in unseren natürlichen Fluss zurückfinden möchten:

1. Dharma – Sind meine Aktionen schädlich für ein anderes Lebewesen? Ist das was ich tue im Einklang mit meinen persönlichen und sozialen Verpflichtungen (hier sind nicht die Verpflichtungen gemeint, die uns durch unsere Konditionierungen eingeimpft werden, sondern grundlegende Dinge wie: Es ist meine Aufgabe mich um meine Kinder zu kümmern und ihnen nicht Schaden zuzufügen, ich ehre meine Eltern in der Dankbarkeit, dass sie mich auf die Welt gebracht haben usw.).

2. Arta (oder Artha) – Kann ich durch meine Aktionen meinen Wunsch nach Selbstrealisierung erfüllen? Gebe ich mir den Raum, die Dinge zu tun, die mir wichtig sind und jene Dinge zu haben, die ich gerne haben möchte?

3. Kama – Gestehe ich mir das Recht ein, mein Leben zu genießen, mich an mir selbst, den Menschen und Dingen, die mich umgeben zu erfreuen und Genuss und Freude zu verspüren?

4. Moksa – Ist mir bewusst, dass ich früher oder später, alles was ich getan, erreicht habe und besitze, wieder loslassen muss? Beherrsche ich die Kunst, die Geschenke des Lebens als Leihgabe im jetzigen Moment zu genießen und nicht unter der Angst zu leiden, dass sich etwas verändern könnte, dass ich Menschen oder Dinge aus meinem Leben verlieren könnte?

Wenn ich es schaffe diese Punkte in meine täglichen Entscheidungen einfließen zu lassen, dann kann ich nach dem Ansatz von Ayurveda ein Leben mit großer Qualität führen. Meine Energie wird fließen können und ich werde nicht krank werden. In diesem Sinne ist Ayurveda eine kraftvolle Medizin des Vorher, die es vermeidet, dass ich früher oder später auf einem OP-Tisch lande. Ich achte auf mich, ich achte auf andere, ich wähle meine Aktionen mit dem Bewusstsein der Konsequenzen, die sie haben. Dafür brauche ich Wissen, dafür muss ich mich informieren, dafür muss ich jeden Tag wieder meine Gewohnheiten beobachten und überdenken. Von den ganz kleinen Entscheidungen, wie der Kauf eines Produktes im Lebensmittelgeschäft, in der Kosmetikabteilung oder der Wahl der Pfanne, die ich zum Kochen benutze, bis hin zu den großen Lebensentscheidungen und den Aufgaben, die ich in diesem Leben zu meiner Mission machen möchte.

Vergesst aber bei all dem Ernst nicht, glücklich zu sein. Wir kommen von den Sternen und gehen zu den Sternen zurück, und in der kurzen Zeit, in der wir hier auf der Erde sind, dürfen wir mit Freude da sein und die wunderschönen Geschenke des Lebens genießen.  Danke Cosimo, für die unendlich vielen, wertvollen Impulse.

 

Angst und Aggression - sie gehören dazu. Gehört sich das?

Vortrag von Brie Presker, Zusammengefasst von Martina De Rosi

 

Angst und Aggression, ein Begriffspaar, das nicht selten gemeinsam auftritt und sich durch verschiedenste Epochen der Weltgeschichte immer wieder zeigt. Es gibt keine Kunst ohne Aggression, die Weltliteratur ist voll von tragischen Geschichten mit Mord und Totschlag. In der Religion finden wir immer wieder Geschichten, die Angst und Aggression bezeugen, vor allem im alten Testament. Erst mit Jesus kommt die Liebe und die Aussage „Liebt euren Nächsten wie euch selbst“ ins Spiel. So leitet Brie dieses Thema ein, das viele angelockt hat und viele beschäftigt.

Bei uns ruft die Kombination von Angst und Aggression ganz spontan recht gegensätzliche, teils bedrückende, Assoziationen hervor. Einige sprechen von Enge, Hilfslosigkeit, Traurigkeit, Depression und täglichem Kleinkrieg, andere hingegen verbinden damit auch Freiheit, Neugierde und Freude. Wieder andere wissen nicht wirklich was sie damit anfangen sollen.

Wie kommt das und darf das so sein? Wenn wir aus dem Prinzip der Gestaltpädagogik an die Frage herangehen, dann finden wir eine sehr humanistische Antwort. Alles was ist, ist und darf sein. Gefühle sind. Die Frage ist, wie gehen wir mit ihnen um, was machen wir mit ihnen, wenn sie sich uns zeigen.

In der Entwicklungspsychologie sehen wir, dass Kleinkinder schon in der Schwangerschaft beginnen Lust und Unlust zu spüren, je nachdem ob sie sich im Mutterbauch gerade wohl fühlen oder ob es unangenehme Störungen gibt. Für die kleinen Wesen ist das aber weder gut noch schlecht, es ist einfach so. Wenn diese kleinen Kinder auf die Welt kommen, äußern sie mit derselben Natürlichkeit, wenn sie wohlig und zufrieden sind oder wenn sie etwas stört. Erst durch die Reaktionen ihrer Umwelt kann es sein, dass sie schnell lernen, dass ruhig und zufrieden ein Zustand ist, der als gut und brav klassifiziert wird und hingegen laut und vehement zeigen, dass etwas nicht so gut passt, genervte Reaktionen auslöst und als schlecht und böse gesehen wird.

Was dann passieren kann, ist, dass sie Teile von sich abspalten und dementsprechend lernen später die ganze Welt in Gut und Böse einzuteilen, weil sie es bei sich selbst nicht anders gelernt haben. Das sind Menschen, die gerne Gruppierungen suchen, in denen andere Menschen mit ähnlichem Weltbild und ähnlichen Auffassungen von Gut und Böse zusammenwirken. Dann gibt es die Guten auf der einen Seite und die Bösen, die zu bekämpfen sind, auf der anderen Seite. Gefährlich wird das dann, wenn solche Menschen an die Macht kommen und ganze Völker mit ihrer Überzeugungskraft in Angst und Aggression hinein manipulieren können. Das sehen wir immer wieder in der Geschichte und auch in der aktuellen Weltpolitik, wenn es um Völkermord und Kriege zwischen Volksgruppen geht.

Sind wir Menschen denn von Natur aus auch böse? Prinzipiell haben wir alle sei es gute und böse Seiten, meint Brie. Den Unterschied macht mein Umgang damit. Kann ich die bösen Seiten bei mir wahrnehmen und annehmen? Kann ich meine Aggressionen so kanalisieren, dass ich ihnen Raum geben kann ohne jemandem damit zu schaden? Darf ich auch mal garstig sein und dem Ausdruck geben, ohne dass dadurch die Welt untergeht? Laut Gestaltansatz unbedingt. Es ist gesund und heilend dem Raum zu geben, was da ist. Wenn ich das darf, verlieren Angst und Aggression vielleicht sogar ihren Schrecken und ihre lähmende Wirkung und wandeln sich um in eine konstruktive und kreative Kraft. Wir wollen alle selbstwirksam sein und etwas tun und bewirken in unserem Leben, wir wollen nicht ein Leben nur in Ruhe sein. Wenn wir aktiv werden und hinaus gehen unter Menschen, schließt das unweigerlich auch Niederlagen und Widerstand mit ein. Ich muss mir nicht alles gefallen lassen, was mir nicht gefällt, aber ich kann auch nicht erwarten, dass die anderen sich alles gefallen lassen, was ich von ihnen möchte. Ich darf aber dem Ausdruck verleihen, was in mir dadurch gerade lebendig ist. Eindruck braucht Ausdruck. Es geht lediglich um die Mittel, die dich finde um damit umzugehen. Verdrängung und Abspaltung ist nicht die Lösung. Es ist wichtig, dass ich Menschen um mich habe, die mich stützen und die mich auch dann noch mögen, wenn ich etwas falsch mache oder in etwas scheitere. Menschen, die mich sein lassen können, die es aushalten, wenn ich mich mit allen meinen Teilen zeige. Wenn ich mich selbst mit Liebe betrachten kann, auch wenn ich mich manchmal hässlich und böse fühle, dann kann sich das Hässliche lösen und wandeln.

Vielleicht kann ich meine Aggressionen, meine Widerstände und meine Ängste so einsetzen, dass ich damit etwas Schönes schaffe. Ich kann Zivilcourage zeigen und Menschen unterstützen und stärken, die in schwierigen Situationen leben müssen und gegen meine Überzeugungen behandelt werden. Ich kann mich äußern zu Themen, die mir wichtig sind. Ich kann mich öffnen und zulassen, dass andere anders denken und vielleicht sogar in Erwägung ziehen, dass andere auch recht haben könnten auf ihre Weise. Ich kann gelassener werden und mir anschauen was sich zeigt. Wut und Ärger und die ganze Bandbreite an Gefühlen dürfen sein. Wenn sie da sind, sind sie da. Es ist unheimlich befreiend sich dessen bewusst zu werden und uns selbst und andere deshalb nicht zu verurteilen. Wir dürfen uns in jedem Moment gut um uns selbst kümmern, wir dürfen großzügig und liebevoll sein mit uns selbst und uns auch noch mögen, wenn wir mal nicht so strahlend und brillant sind, wie wir glauben sein zu müssen. Wir dürfen sein und Freundschaft schließen mit dem was da ist.

Mit einer extra Portion Gelassenheit und Akzeptanz gehen wir nach diesen Impulsen wieder hinaus in den Alltag und werden neugierig experimentieren, mit dem was sich zeigt. Vielen Dank liebe Brie!

 


Leben und Sterben aus der Sicht des Yoga

Seminar mit Nura Kissener, zusammengefasst von Martina De Rosi

„Sterben ist der intensivste Moment unseres Lebens hier auf der Erde“, erklärt uns Nura Kissener, die sich schon seit vielen Jahren mit dem Thema Tod und Sterbebegleitung auseinandersetzt, „Es ist, wie die Matura unseres Lebens.“ Wenn wir annehmen, dass unser Weg auf der Erde in unserem derzeitigen Körper, unser ganzes Leben ist, dann unterliegen wir einem Irrtum, ist sich Nura sicher. Wir kommen von irgendwo her und bekommen unseren Körper als Leihgabe von der Erde um hier Erfahrungen sammeln zu dürfen, uns mit Themen auseinander zu setzen, die für unsere Entwicklung und unser Wachstum wichtig sind, und wenn wir lange genug da gewesen sind, geben wir unseren Körper wieder der Erde zurück und kehren dorthin zurück, wo wir hergekommen sind.

Niemand weiß wirklich wo wir herkommen und wohin wir zurückgehen, aber es gibt inzwischen immer mehr Berichte von Menschen, die Nahtoderfahrungen machen und wieder zurückkehren. Sie berichten von einem hellen Licht, sie berichten von dem Gefühl von unendlicher Liebe empfangen und begleitet zu werden und von dem Widerwillen wieder zurück geschickt zu werden. Diese Erfahrungen stimmen überein mit der Weltsicht in fernöstlichen Philosophien, dem Buddhismus, der Yogaphilosophie, aber auch mit unserem westlichen Glauben.

Wir sind nicht einzelne Individuen, die rein aus ihren Körpern und ihrer Persönlichkeit bestehen, wir sind eingebettet in etwas Größeres, in ein Lebensprinzip, eine Lebensenergie, ein Mentalfeld, das viel größer ist als unser Körper. Die Energie, aus der wir kommen, ist Licht und wenn wir achtsam, freundlich und still sind, können wir uns mit diesem Licht in uns verbinden. Es ist, wenn wir so wollen, der göttliche Funke in uns. Wir suchen ein Leben lang immer nach diesem Licht, bewusst oder unbewusst. Deshalb erleuchten wir unsere Häuser und beleuchten die Straßen, wenn es dunkel ist, wir mögen Kerzenschein und Feuer im Kamin. Wärme und Licht geben uns eine Idee von zu Hause. Es ist als würden wir einen Teil von uns selbst wiederfinden, wenn wir es uns hell und warm einrichten.

In diesem Sinne, ist Sterben ein nach Hause gehen. Wenn wir unsere Existenz rein aus der Sicht unseres Lebens auf der Erde betrachten, ist es klar, dass wir uns auf die Geburt eines neuen Menschen vorbereiten und als großes Fest feiern und uns der Tod wie ein großer Verlust erscheint. Wenn wir aber unseren Blick weiten, wenn wir spüren, da gibt es noch was Anderes in uns, das nicht mit dem Körper stirbt, dann bekommen wir eine ganz neue Perspektive. Dann ist es gut und wichtig, die kleinen Menschen, die geboren werden, willkommen zu heißen und ihnen jede Unterstützung zu geben, gut hier anzukommen, sich an ihren Körper zu gewöhnen und in einem sicheren Umfeld wachsen zu können. Wir können sie mit unserer Erfahrung hier begleiten. Was sich aber verändert, ist unsere Wahrnehmung vom Sterben.

Genauso wie für eine Geburt, können wir uns auch auf den Moment des Sterbens vorbereiten. Genauso wie bei der Geburt, spielt der Atem eine wichtige Rolle. Eine Mutter, die einem Baby das Leben schenkt, übt lange vorher zu atmen, sich in den Schmerz hinein zu entspannen und mit der Ausatmung lässt sie das Baby los und lässt es auf die Welt kommen. Beim Sterben funktioniert es genauso. Wenn wir einen freundlichen Ort haben, in einer für uns schönen Umgebung und vielleicht mit den Menschen, die für uns wichtig sind und uns unterstützen können, ohne an uns festhalten zu wollen, dann können wir uns entspannen und den Übergang von unserem Leben im Körper zurück ins Licht zu dem schönsten Fest machen.

Wir können ausatmen, vertrauensvoll, dass wir das Licht finden werden, dass wir dorthin begleitet werden und empfangen werden von der unendlichen Güte und Liebe, die wir alle als Funken schon in unserer Zeit hier auf Erden in uns tragen.

Wenn wir uns dessen bewusstwerden, verändert sich nicht nur unser Sterben, sondern das ganze Leben. Wir können uns immer wieder mit unserem inneren Licht verbinden, wir können unsere Hand auf unser Herz legen, atmen und spüren, was sich in uns regt, Freundlichkeit und Güte entstehen lassen und mit all dem was wir in unserem Leben erfahren und erleben, dankbar, achtsam und auch mit einer Brise Humor umgehen. Wir können uns selbst für vermeintliche Fehltritte und Verletzungen vergeben und auch anderen Menschen und Situationen, die uns aus unserer Sicht schwere Zeiten beschert haben, vergeben und die Last von Verletzungen, Wut und Groll gehen lassen. In dem Bewusstsein, dass wir Herausforderungen brauchen um wachsen zu können.

Dadurch fühlen wir uns leichter, die Seiten in unserem Zeitbuch werden heller und freundlicher, und wir können unser Licht aus uns heraus erstrahlen lassen. Die Welt braucht Menschen, die ihr Licht spüren und es teilen möchten. Wir dürfen uns freuen über unsere Zeit und unser Wirken hier und jetzt. Und, wenn wir uns im Jetzt gut vorbereiten, üben zu entspannen, üben zu vergeben und es uns zur Gewohnheit machen es in uns freundlich einzurichten, dürfen wir uns darauf freuen, wenn es Zeit ist, wieder durch das Tor nach Hause zurück zu kehren. 


Maitrī – Freundlichkeit

Ein Vortrag von Nura Kissener zusammengefasst von Martina De Rosi

Maitri beschreibt eine Qualität, die wir aus der Sicht des Yoga als Menschen in uns tragen. Sie lässt sich übersetzen mit Freundlichkeit oder Herzensgüte. Was es mit dieser Qualität auf sich hat und wie sie unser Leben bereichern kann, ist das Thema des Vortrages mit Nura Kissener.

Es erstaunt nicht, dass gerade Nura sich mit diesem Thema beschäftigt. Sie strahlt die Qualität, von der sie uns erzählen will, aus allen Poren. „Freundlichkeit macht unser Leben heller und leichter, sie schafft einen heilsamen Raum für uns selbst und für andere“, beschreibt Nura die Wirkung von Maitri. Sie lässt Spannungen schwinden, bringt Gelassenheit und fördert Frieden und Harmonie. Aber wie gelangen wir dahin?

Wir alle wachsen auf mit einem Rucksack voller Themen, Glaubenssätzen, Erwartungen und Verletzungen, die es uns manchmal nicht leicht machen offen und freundlich in die Welt zu schauen. Wir haben Angst vor weiteren Enttäuschungen und Verletzungen, manche Menschen fühlen sich verbittert und schwer. Das Herz ist verschlossen.

Die gute Nachricht ist, der Schlüssel um unseren Blick auf die Welt und auf unser eigenes Leben zu verändern, liegt in uns. Wir können unsere Erfahrungen aus der Vergangenheit neu sehen lernen. Nura beschreibt unser Leben als ein magisches Buch der Zeit, ein Buch mit Bildern, die aus Energie bestehen. Es gibt nur das Jetzt. Unsere Energie im Jetzt bestimmt wie wir die Seiten aus der Vergangenheit sehen und wie wir uns unsere Zukunft vorstellen. Wenn wir lernen, achtsam mit unserem Heute umzugehen, werden wir merken, dass sich unsere Energie verändert und dass sich damit auch unsere Wahrnehmung des Gestern verändern kann und wir die Vision unserer Zukunft beeinflussen können.

Achtsam mit dem Heute umgehen bedeutet, dass wir uns dem, was wir gerade tun, aufmerksam zuwenden. Wenn wir die Aufmerksamkeit ganz auf das richten, was in diesem Moment da ist, werden wir still. Diese Stille erlaubt es uns in Beziehung zu treten mit dem Objekt unserer Aufmerksamkeit. Dabei sollen wir uns aber nicht zu viel anstrengen müssen, es geht um liebevolle Zuwendung, Spüren und Staunen, zarte Freude und Dankbarkeit. Wunderbar üben können wir diese Qualitäten mit unserem Körper. Nura zeigt uns Übungen aus einer tibetischen Übungstradition, die sich Kum Nye nennt. Wir üben ganz einfach, ganz fein, wir dürfen uns wohl fühlen, bei dem was wir tun. Wir genießen und spüren, ganz ohne Druck. Wir beobachten, was sich zeigt, ob etwas schmerzt und versuchen damit ganz warmherzig umzugehen. Wir legen eine Hand auf unser Herz, damit wir unser Herzzentrum spüren und schützen können und sich unser Herz so ein klein wenig öffnen darf. Zuwendung ist eine Liebe ohne Erwartung, ohne „haben wollen“. Wenn wir uns etwas ganz zuwenden, werden wir zu einem kleinen Stern im Alltag, der strahlt und ein klein wenig göttliche Qualität in unser Leben bringt.

Wir können uns mit dieser tragenden Kraft und Güte auch unsere Verletzungen, Erwartungen und Enttäuschungen ansehen. Sowohl jene, die wir ausgeteilt haben, als auch jene, die wir erfahren haben. Wir können einen Raum schaffen, in dem auch widersprüchliche Dinge klar und schlicht ihren Platz bekommen und wir achtsam und freundlich nach Lösungen suchen können, die unterschiedliche Meinungen zu einem Ganzen werden lassen. Warmherzig sein bedeutet vor allem auch, wirklich zuhören zu können. Richtig zuhören heißt, die eigene Meinung zur Seite zu legen, sich dem anderen zuzuwenden ohne bereits fertige Vorschläge und Ratschläge bereit zu halten, die sich auf unsere eigenen, vergangenen Erfahrungen berufen. Wenn wir wirklich tief zuhören, wird der andere seine eigene Lösung in sich finden. Wenn wir tief zuhören, sind wir im Jetzt.

Aus dem Jetzt heraus, können wir auch entscheiden, Vergangenes zu vergeben und die Last, die wir durch Enttäuschungen mit uns herumtragen, abzugeben. Vielleicht gelingt es uns nicht immer, uns selbst und anderen gleich zu vergeben und die Dinge so anzunehmen, wie sie eben gerade sind. Aber schon unser Wille und unser Bemühen zu vergeben und Vergebung zu erbitten, löst in uns und in den anderen etwas. Es darf ein ganz behutsames Lösen sein, das uns Heilung und innere Freiheit bringt. Unser ganzes Leben wird heller, leichter und schöner und die Seiten unseres magischen Zeitbuches schreiben sich neu. Unser Gestern wird ein Traum voller Glück und unser Morgen wird eine Vision voller Hoffnung.

Und dann schickt Nura uns mit einem Appell wieder in unseren Alltag hinaus: „ Achte gut auf dich und deine Tage und wenn du spürst, dein Herz verschließt sich, leg deine Hand darauf und sag ihm, es soll doch ein klein wenig offen bleiben. Es zahlt sich aus.“ Danke, liebe Nura!  


Seminar Meditation mit Swami Nitya

Zusammengefasst von Martina De Rosi

Die Frage, was eigentlich hinter dem inzwischen in verschiedensten Kreisen bekannten Phänomen Meditation steckt, war im Zentrum des Seminars mit Swami Nitya. Warum sollten und wollen wir meditieren, welche Wirkung hat sie, wie funktioniert sie überhaupt und was hält uns davon ab?

Diese letzte Frage ist relativ leicht zu beantworten. Unser Geist, oft auch „Monkey Mind“ genannt, lässt uns nicht so einfach und gerne zur Ruhe kommen. Er springt wie ein wild gewordener Affe von einem Ast zum anderen, von einem Thema zum anderen. Ganz zu Beginn unseres Seminars bittet uns Swami Nitya für ein paar Minuten in Stille zu sitzen und uns dann zu notieren, welche Gedanken aufkommen. Die Listen werden ziemlich lang. Wir sind es nicht gewohnt in Stille zu sitzen, unser Geist arbeitet auf Hochtouren und kommentiert andauernd alles was uns widerfährt.

Er kommentiert, wenn es beim Sitzen irgendwo zwickt oder drückt, er kommentiert jedes Geräusch, das um uns herum zu hören ist, er nutzt die Gelegenheit uns daran zu erinnern, was wir alles tun wollten oder wie es uns eigentlich gerade emotional geht. Still sein, ist das letzte, was unserem Geist in den Sinn kommt. Er möchte unsere Aufmerksamkeit. Immer.

Aber warum suchen wir überhaupt Stille, wenn wir einen so effizienten und fleißigen Geist haben? Inzwischen gibt es jede Menge Studien, auch von wissenschaftlicher Seite, die belegen, dass wir aus Energie bestehen. Energie, die auf verschiedenen Frequenzen vibriert. Die niederer vibrierenden Frequenzen sind unsere materiellen Teile, die höher vibrierenden Frequenzen sind unsere subtileren Teile. Wenn wir meditieren und dadurch in Stille sind, sind wir in Verbindung mit der höher vibrierenden Frequenz der Energie, die über unseren Körper hinausgeht. Es ist eine Energie die heilt und sowohl unser emotionales und körperliches Gleichgewicht positiv beeinflusst. Auch das kann inzwischen wissenschaftlich nachgewiesen werden. Bestimmte Gehirnregionen werden durch Meditation verändert.

Dadurch bekommen wir mehr Klarheit, wir spüren Freude von innen heraus ohne von äußeren Umständen abhängig zu sein, wir sind in Frieden mit uns selbst und können so auch mit komplizierten Alltagssituationen allmählich gelassener umgehen und das eine oder andere auch einfach seinlassen.

Wie können wir dahin kommen, trotz unseres rebellierenden Geistes, der nicht so leicht zur Ruhe kommen mag und uns immer wieder hinters Licht führt? Wir können zu allererst üben uns zu entspannen. Ein entspannter Körper kann leichter sitzen. Um zu meditieren ist es wichtig, dass wir eine Sitzhaltung finden, die es uns erlaubt mit aufrechtem Rückgrat zu sitzen. Unsere Wirbelsäule ist unser Energiekanal und wenn wir aufgerichtet sitzen, kann die Energie fließen. Das kann auf einem Stuhl oder Hocker sein, das kann auf einem Kissen oder auf gefalteten Decken am Boden sein. Wichtig ist, dass wir stabil und bequem sitzen und uns sammeln können.

Dann gibt es die verschiedensten Möglichkeiten unserem Geist in einen meditativen Zustand zu bringen und ihn ruhig werden zu lassen: Wir können uns auf ein konkretes Objekt konzentrieren, wir können unseren Atem beobachten und ihn feiner und feiner werden lassen, wir können ein Mantra fließen lassen, wir können über ein Wort oder einen Satz kontemplieren oder uns eine Frage stellen, die uns beschäftigt.

Aber vor allem müssen wir meditieren wollen. Wenn wir uns dafür entscheiden, dann ist es hilfreich, regelmäßig zu üben, vielleicht an dem selben Ort, zur selben Zeit. Wahre Veränderung braucht Disziplin und Durchhaltevermögen. Nicht, weil uns jemand dazu verdonnert, sondern weil wir es aus ganzem Herzen wollen.

Dann können wir unsere ganz eigenen Erfahrungen machen und irgendwann den Stillpunkt in uns erreichen, den Kern, der den Tanz des Lebens dirigiert. Die tiefe Stille, die unsere Sehnsucht nach heil sein, nach Frieden und Liebe stillt. Die Stille, die uns mit allem und allen verbindet, die uns einbettet in ein großes Ganzes. Die Stille, die uns unseren Urklang hören lässt und uns unser Licht zeigt. Und uns dadurch eine unbändige Lebensfreude schenkt, die wir mit anderen teilen können und damit die Welt noch ein klein wenig schöner machen. 


Konflikte gestalten – Krisen müssen keine Katastrophe sein mit Brie Presker

Zusammengefasst von Martina De Rosi

Konflikt – das Wort hat für viele etwas Bedrohliches und Bedrückendes und lässt verschiedenste Bilder in den Menschen entstehen. Von heftigen Gewittern, über Explosionen, Zerstörung, Gedankenkarusselle und Übelkeit. Muss das so sein? Ist es wirklich so gefährlich zu sagen, wenn uns etwas nicht gefällt und auch das Risiko einzugehen, zu streiten? Woher kommen Konflikte überhaupt, wozu brauchen wir sie und wie können wir, jeder auf seine Art, damit umgehen? Das ist die Frage, der wir uns zusammen mit Brie an diesem Abend stellen.

Einige in der Runde finden, ein Konflikt kann auch reinigend sein und wachsen lassen. Brie lässt uns darüber nachdenken, wann in der Menschengeschichte der erste Konflikt stattgefunden hat. Wir einigen uns auf Adam und Eva und ihrer Vertreibung aus dem Paradies. Wer hat angefangen und wer hat Schuld an diesem Konflikt? Gott, weil er Adam und Eva überhaupt in Versuchung gebracht hat mit dem Verbot vom Baum der Erkenntnis zu kosten? Die Schlange, die Eva davon überzeugt, dass es viel besser ist, zu erkennen als ewig glücklich und nicht-wissend im Paradies zu sitzen. Eva, die letztendlich in den Apfel vom dem verbotenen Baum beißt oder Adam, der von Eva den Apfel bekommt und auch kostet?

Fragen, die auch heute noch ganz typisch unser Konfliktverhalten prägen, tauchen in der Diskussion auf. Was ist das für ein Gott, der Leid und Streit zu lässt und seine Geschöpfe aus dem Paradies vertreibt? Und die böse Schlange, die Schuld ist und zur Strafe jetzt im Staub kriechen muss, weil Adam und Eva nicht selbst die Konsequenzen ihrer Handlung erkannt haben – wäre sie nicht gewesen, wäre doch alles gut. Oder doch nicht? Wenn Eva nicht reagiert hätte und nicht der Versuchung erlegen wäre und dann auch noch Adam mit reingezogen hätte, wäre das Paradies doch auch ewig gewährt geblieben. Und da taucht eine spannende Frage auf: Kann es sein, dass wir Menschen nicht dazu gemacht sind, ewig im Paradies zu sitzen? Kann es sein, dass wir gerade dadurch, dass wir über unsere Grenzen gehen, lernen und wachsen? Kann es sein, dass wir Mensch sind, weil wir genau diese Eigenschaft haben und es regelrecht brauchen uns aneinander zu reiben und richtig streiten zu lernen?

Problematisch wird es, wenn wir uns auch wieder aus geschichtlichem Gesichtspunkt ansehen, wie sich Konflikte und die Streitkultur über die letzten Jahrhunderte entwickelt hat. Als der Mensch sesshaft wurde, begann er Tiere zu züchten und Obst und Gemüse anzubauen. Es entstand das Prinzip des Eigentums. Der Eigentümer entschied darüber, welche Tiere er töten würde, was er ernten würde und wen er an seinem Besitz teilhaben lassen würde. Dadurch bekam er eine große Macht. Hand in Hand damit kam dann auch die Sorge darum, wem er sein Hab und Gut hinterlassen wollte, und da wurde es dann wichtig, seine Frau gut unter Kontrolle zu haben, damit ihre Kinder auch wirklich die rechtmäßigen Erben sind. So wurde es immer wichtiger irgendwo dazu zu gehören um bestimmte Rechte zu haben. Und gehörtest du nicht dazu, wurdest du vernichtet. So entstanden Familienfehden, Kriege zwischen Nationen und Religionen.

Es lässt uns vermuten, dass es nicht darum geht, Konflikte an sich zu vermeiden, sondern, dass es darum geht eine Streitkultur zu erlernen, die nicht unbedingt auf Vernichtung, Flucht, Unterwerfung, Delegation an andere oder faule Kompromisse baut. Und auch nicht mit Macht, Angst und Manipulation spielt um sich durchzusetzen, was wir in diesen Tagen so häufig auch auf den politischen Bühnen beobachten können. Aber auch in weniger offensichtlichem Maße, bei uns zu Hause.

Was können wir also tun? Wir können an unserem Selbstwert arbeiten. Wir können in unsere Bildung investieren. In Bildung, die uns dabei unterstützt Zusammenhänge zu erkennen und Gedanken zu Ende zu denken. Dann sind wir nicht mehr Opfer von Argumentationsfallen, sondern werden selbst zu Gestaltern. Wenn wir in Herzensbildung investieren, können wir empathisch mit anderen sein ohne uns selbst zu verlieren. Wenn wir unsere eigene Mitte finden, unsere eigenen inneren Konflikte in Frieden austragen können, weil wir mit unseren verschiedenen Stimmen ein gutes inneres Team im Gleichgewicht bilden. So kann Ordnung im Wirrwarr unserer Seele entstehen.

Yoga, Meditation, Beten sind Wege, die uns in diese Richtung unterstützen können. Sie helfen dabei uns selbst besser kennen und hören zu lernen. Sie schulen unser Bewusstsein für unsere eigenen Muster und Verhaltensweisen. Bin ich eher ein Typ, der die Schuld für Probleme bei mir selbst sucht? Oder gehöre ich zu denen, die immer mit sich im Reinen sind und denken, die anderen seien schuld? Rationalisiere ich jeden Konflikt weg und ermahne mich und die anderen ständig zur Vernunft und zu gutem Benehmen oder lenke ich Gespräche geschickt auf unverfängliche Themen, wenn es droht, kritisch zu werden? Sich selbst zu kennen, zu lernen in „Ich-Botschaften“ auszudrücken, was gerade lebendig ist und es auch zu akzeptieren, dass manchmal Situationen und Menschen nicht genau so sind, wie es in den eigenen Vorstellungen sein sollte, hilft enorm aus Konflikt-Teufelskreisen auszusteigen.

Achtsamkeit, Beobachtungsgabe und Bewusstsein gepaart mit der Fähigkeit Dinge so anzunehmen wie sie sind, machen uns echt und geben uns Handlungsspielraum. Wir können für uns selbst sorgen und es uns gut gehen lassen, auch wenn die Rahmenbedingungen anders sind, als wir es uns vorgestellt haben. Wir können beginnen uns selbst zu lieben und dadurch auch anderen genug Raum zu geben. Das will geübt werden. Immer wieder. Durch Unterstützung von außen, wie in Seminaren zu Konfliktstrukturen („Bei mir“, sagt Brie mit einem Augenzwinkern ) und in Disziplinen, die uns nach innen bringen. Bis wir spüren, dass wir unsere Mitte und unsere Ganzheit gefunden haben. Und wenn wir Frieden und Liebe in uns selbst finden, darf es im Außen auch mal knallen und krachen, ohne, dass das für uns selbst, für andere und für den Frieden in und ums uns gefährlich wird. Wir können unser Herz öffnen und sehen was gut ist und erkennen, dass Krisen und Konflikte keine Katastrophe sein müssen, sondern Gestaltungsräume für Reinigung, Wachstum und Lebendigkeit sein können. Und daher haben Adam und Eva vielleicht gut daran getan, nicht ewig glückselig im Paradies zu sitzen wie in einem lebenslangen Urlaub im Club Méditerranée. 


Erfahrung Stille – ein Schweigeretreat in Hafling

Ein Bericht von Martina De Rosi

An einem wunderschönen Ort mit Garten, Teich und einen herrlichen Ausblick auf die Berge haben wir uns dieses Wochenende versammelt um für zwei Tage lang gemeinsam in Stille zu sein. Swami Nitya hat uns begleitet. „In Stille sein, ist wie nach Hause kommen. Wir alle kennen den Zustand aus dem Mutterbauch. Wir sind geborgen, wir sind bei uns und doch verbunden mit dem ganzen Universum“. Und doch, oder gerade deshalb, kann es, muss es aber nicht, eine Herausforderung sein. Wir sind es gewohnt, Verbundenheit durch Worte auszudrücken, durch Blicke in die Augen, durch Gesten, in denen wir mit anderen Menschen, auch körperlich, in Kontakt treten. „In der Stille geht es nicht nur darum keine Worte zu verwenden, sondern einfach wirklich voll und ganz bei uns selbst zu sein. Wir wenden uns nach innen, identifizieren uns nicht mit den anderen und mit der Natur.“

Und so sind wir eingetaucht in das Abenteuer Schweigen. Wir hatten ein Programm, das Körperübungen und Meditation, Spazierengehen, meditatives Gehen und Mantra Rezitieren als Angebote hatte und wir hatten einen Plan gemacht, in den sich jeder für Aufgaben in der Küche und im Haus eintragen konnte. So konnten wir in Stille wählen, welchen Beitrag wir zum gemeinsamen Essen leisten wollten und wie wir unseren Tag mit den Angeboten gestalten wollten. Und wir hatten Zeit zum Ruhen und zum Alleine sein.

Die zwei Tage sind vergangen wie im Flug. Wir sind dahingeflossen, jeder in seiner Welt, jeder mit seinen Gedanken und Emotionen, jeder mit seinen kleinen oder großen Herausforderungen und Erkenntnissen. Wir haben geübt, wir haben die Erde und das Gras unter den Füßen erspürt, wir haben uns in Stille hingesetzt. Wir haben geschlafen, wir haben gekocht und gegessen. Und auch, wenn jeder mit sich beschäftigt war, hat es auch etwas mit der Gruppe gemacht.

Nachdem wir das Schweigen am Sonntagnachmittag gebrochen haben, durften wir unsere Erlebnisse und Wahrnehmungen austauschen. Die Worte haben den wenigsten von uns gefehlt. Außer dem einen oder anderen bei den gemeinsamen Momenten, wie beim Essen. Sich am Tisch treffen und die Mahlzeiten gemeinsam zu genießen, ist für einige, auch auf Grund unserer Kultur und Gewohnheiten, verbunden mit der Vorstellung von Geselligkeit, in denen Austausch stattfindet. In der Familie oder mit Freunden. Jemand bezeichnete die Abwesenheit von Gesprächen in diesen Momenten als bedrückende Totenstille. Für andere hingegen, war es eine Wohltat, sich ohne Worte ganz auf den Geschmack des Essens zu konzentrieren und ohne Ablenkung, mit geschärften Sinnen zu kauen.

Überhaupt, haben einige bemerkt, dass sich die Sinne nicht zurückgezogen haben, sondern schärfer wurden. Düfte, Farben, Geschmack wurden intensiver wahrgenommen. „Das ist ganz natürlich“, erklärte uns Swami Nitya, „die Ablenkungen durch den Verstand, durch das Reden und Denken, werden weniger, und die Sinne bekommen mehr Raum. Wenn du dich aber mit den Sinneseindrücken im Außen nicht identifiziert und dich immer wieder nach innen zurückholst, wirst du merken, dass die Sinne zwar ganz wach bleiben, aber ruhiger werden und du mehr und mehr darauf konzentriert bist, was in dir passiert und nicht um dich herum.“

Für einige von uns war es schwierig die Anwesenheit der anderen ganz auszublenden und es war nicht leicht nicht zu beobachten, welchen Gesichtsausdruck die anderen in der Gruppe hatten und berührt zu sein, wenn der Eindruck entstand, dass jemand ernst oder gar traurig aussah. Das Lachen und die Umarmungen haben einigen gefehlt. Für einige von uns war es auch nicht leicht in den gemeinsamen Abläufen nicht darauf bedacht zu sein, den anderen etwas abzunehmen, sich entgegen zu kommen und sich Wünsche zu erfüllen. Mit ganz einfachen Dingen, wie beim Frühstückstisch das Brot zu reichen oder beim Gemüse schneiden den richtigen Zeitpunkt und das richtige Tempo zu finden, damit die nächsten Schritte reibungslos ablaufen können. Und doch bei sich zu bleiben und auf die eigenen Bedürfnisse von Raum und Zeit zu achten ohne sich in die Aktivitäten der anderen einzumischen oder die Angst etwas für die Gruppe nicht richtig zu machen.

Und dann gab es Momente, die nicht so leicht in einem Bericht mit Worten zu beschreiben sind. Es gab Momente der tiefen Zufriedenheit und Freude. Es gab Momente der Erholung. Es gab Momente der Wärme. Es gab Momente der Verbundenheit mit sich selbst und mit Allem. Es gab Momente, in denen einfach alles sein durfte. Es gab Momente mit Intuitionen und Einsichten. Es gab Momente des Friedens und der Stille.

Wie sich diese Momente anfühlen, ist etwas, das jeder für sich und auf seine ganz eigene Art erfahren darf. Dabei gibt es kein Richtig und kein Falsch. Dafür braucht es keine Worte, nur tiefe Stille und Dankbarkeit.  


In Beziehung mit der Gesellschaft und unserer Umwelt

Vortrag mit swami nitya, 29.09.2016
zusammengefasst von martina de rosi

Wir können nicht nicht in Beziehung sein. Menschen brauchen Menschen, wir brauchen den Planeten, die Tiere und die Natur, wir können gar nicht als Individuen abgetrennt vom Rest des Universums existieren. Wir sind Energie, die vibriert und interagiert. Damit wir gesund sein können, brauchen wir den Austausch mit anderen, den Kontakt. Uns zu kümmern, liegt in unserer Natur.

Isolation und damit die Idee vom Individuum sind Illusion. In Abtrennung sind wir nicht glücklich und nicht fähig zu existieren. Und alles was wir denken oder tun hat eine Auswirkung. Auf uns selbst und auf unser Umfeld. Wie der Flügelschlag eines Schmetterlings, der sich in Energiewellen fortpflanzt und das ganze Universum berührt. Das heißt, ich kann nicht in Meran sitzen und denken, was auf der anderen Seite der Welt passiert, hat mit mir nichts zu tun. Genau so wenig wie ich denken kann, ich habe nichts damit zu tun, was bei meinem Nachbarn oder in meiner Stadt passiert. Wenn es anderen nicht gut geht, hat das eine Auswirkung auf meine Energie. Und wenn es mir nicht gut geht, hat das eine Auswirkung auf die Energie im Rest der Welt.

Nun, wenn das so ist, dann liegt es nahe zu denken, dass es uns allen ein Anliegen ist, dass es uns selbst gut geht, damit wir mit unserer gesunden und glücklichen Energie anderen damit was Gutes tun können. Und es liegt genau so nahe, dass es jedem von uns ein Anliegen sein dürfte, alles uns mögliche zu tun, dass es auch den anderen Schöpfungen in unserer Welt gut geht. Das bedeutet aber nun nicht, dass wir die Last der ganzen Welt allein auf unseren Schultern spüren sollen. Das würde uns erdrücken mit all den Herausforderungen, die wir auf unserem Planeten heute haben. Es gibt Hunger, es gibt Kriege, es gibt viele vereinsamte und verzweifelte Menschen. Es gibt alte Menschen, die auf ein Abstellgleis gestellt werden, es gibt junge Menschen, die sich in den modernen Technologien verlieren. Es gibt Teile auf der Welt, in der die Erde nicht mehr fruchtbar ist und das Trinkwasser verschmutzt ist.

Aber, genauso wie es irreführend ist zu glauben, das habe mit mir alles nichts zu tun und ich kann nichts tun, ist es irreführend zu glauben, es sei meine alleinige Verantwortung die Welt zu retten und ich muss mich selbst dafür aufopfern. Beides würde von einem Ego zeugen, das die Schönheit der Verbundenheit noch nicht begriffen hat.

Wenn wir davon ausgehen, dass wir alle verbunden sind und eingebettet sind in ein großes Ganzes, dann können wir die Last der Einsamkeit und des Konkurrenzkampfes hinter uns lassen. Wir können uns auf die verbindenden Elemente von Gemeinschaften konzentrieren und die trennenden überwinden. Es geht dann nicht mehr um „meine Stadt“, „meine Religion“, „meine Kultur“, sondern es geht darum sich auf Augenhöhe zu begegnen, sich wirklich zuzuhören und die eigenen Fähigkeiten in den Dienst von Kooperationen zu stellen, in denen wir uns gegenseitig tragen und unterstützen. Abgrenzungen gibt es dann allenfalls noch als respekt- und liebevolle Vielfalt und Schönheit. Kooperationen bringen Evolution, weil Energie interagiert um sich zu befruchten, zu wachsen, kreativ zu sein. Das Wort Gemeinschaft kommt aus dem Latein „com munos“, was so viel bedeutet wie „mit Geschenk“. Das bedeutet in Gemeinschaft zusammen zu kommen, bedeutet ein Geschenk sein für andere. Und das Wort Gesellschaft kann gelesen werden als Geselligkeit schaffen, also etwas für das Gemeinwohl zu schaffen.

Diese Art von Beziehungen schaffen Raum. Sie schaffen Raum dafür, dass sich jeder zunächst liebevoll um sich selbst kümmern darf. Damit wir unsere Potentiale erkennen und dem Gemeinwohl zur Verfügung stellen können, brauchen wir Kraftquellen. Kraftquellen aus der Natur, Kraftquellen, die wir aus Ruhepausen und Stille schöpfen können, Kraftquellen, die sich daraus entwickeln, dass wir spüren, dass wir eingebunden sind in alles was uns umgibt. Dann können wir die Liebe zu uns selbst spüren und zur ganzen Welt. Dann können die Alten ihre großen Erfahrungsschätze mit den jungen Generationen teilen und ihnen das Spielfeld für ihre Zukunft bereiten. Dann können Länder, die fruchtbaren Boden und saubere Quellen haben, ihre Ressourcen auch anderen zugänglich machen ohne künstliche Grenzen zu ziehen. Dann können Menschen mit verschiedenen kulturellen und religiösen Hintergründen miteinander leben, Vertrauen entwickeln und in bunter Vielfalt kreativ sein. Dann können gemeinsam neue Lebensmodelle entwickelt werden. Dann können wir in erster Linie einfach Brüder und Schwestern sein. Dann können wir Mensch sein, in Beziehung zueinander und zu dem großen Ganzen.  


Yoga und Kunst: eine Nachbarschaft mit spannenden Berührungspunkten

von Martina De Rosi

Am Freitag haben unsere neuen Nachbarn Einweihung gefeiert. „00A Gallery“ nennt sich der Verein, der für eine begrenzte Zeit Ausstellungen von verschiedenen Südtiroler Fotokünstlern im Raum neben dem Yoga Shiatsu Zentrum beherbergen wird. „00A“ steht für das allererste Negativ auf einem Fotofilm, das normalerweise weggeschmissen wird, weil dieser erste Abdruck, nachdem der Film in die Kamera eingelegt wurde, meist unvorhersehbar, nicht steuerbar und nicht brauchbar ist. Und doch bereitet gerade dieses 00A Negativ die Geburt weiterer Fotoserien vor, es ist sozusagen die Voraussetzung dafür, dass andere Kunstwerke entstehen und sich entfalten können. Diese Achtsamkeit einem Detail gegenüber, das isoliert betrachtet nutzlos erscheinen mag, aber sich als sehr wertvoll entpuppt, wenn es in einem größeren Zusammenhang gesehen wird, erinnert an die philosophischen Grundsätze im Yoga. Zur Einweihungsfeier haben wir auch die Türen zu unserem Zentrum geöffnet. Weil wir auch Werke vom Künstler Christian Martinelli, der den Auftakt mit seiner Ausstellung „Still & Life“ in der Galerie gibt, in unserem Räumen hängen haben und weil wir seit jeher finden Yoga und Kunst passen wunderbar zusammen.

Zeit und Licht spielen eine zentrale Rolle in der Fotografie im Allgemeinen, aber in den Arbeiten von Christian Martinelli bekommen sie eine noch tiefere Bedeutung. Auf den ersten Blick scheinen die Bilder klassische Stillleben (in Italienisch „natura morta“) zu sein. Bei genauerem Hinsehen aber, kann der Betrachter sehen, dass einige Details nicht ganz in ein Stillleben hineinpassen und schon gar nicht tot sind. Es passiert etwas in den Bildern. Wer achtsam hinsieht, kann Bewegung feststellen. Das kommt daher, dass Christian direkt auf ein seltenes, jetzt auch nicht mehr erhältliches Fotopapier, belichtet und, dass die Belichtungszeit ganze 9 Minuten dauert. In dieser Zeit interveniert der Künstler und tritt mit den Fotomotiven in Kontakt. Er bewegt sie, setzt sie in Brand, bringt Schattenspiele ins Bild. Daraus werden, wie im Namen der Ausstellung schon angedeutet, stille Motive lebendig. Und das Erforschen, das Spielen, das in Beziehung setzen von Ruhe und Aktion, von tot und lebendig, die Ausdehnung von Zeit und das achtsame Beobachten hat aus unserer Sicht reines Yoga in sich.

Daher haben wir uns besonders gefreut, die Gäste der Eröffnungsfeier auch in unser Zentrum einzuladen. Barfuß durften sie auf Entdeckungsreise gehen, den Boden unter ihren Füßen spüren und in den verschiedenen Räumen, in denen normalerweise Yoga und Shiatsu praktiziert und philosophiert wird, Fotoserien von Christian auf sich wirken lassen: Eine Wolkenserie, die für uns das Element Luft symbolisiert und für Klarheit und Transparenz steht. Eine Serie mit Bäumen, die Verwurzelung und Wachstum zeigen und mit den Elementen Erde und Raum in Verbindung stehen. Sie bringen Stabilität und gleichzeitig unendliche Entfaltungsmöglichkeiten mit. Und eine Serie von Nestern, die die Räume heimelig machen und ein Gefühl von Geborgenheit geben. Im Eingangsbereich hingegen zieren zwei großformatige Bilder die Wände und strahlen die Kraft aller 5 Elemente aus: Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum. Es sind zwei Fotografien, die Christian am Strand mit Blick aufs Meer aufgenommen hat. Werke, die er mit Präzision, Geduld, Beobachtungsgabe und mit einer ganz besonderen Technik geschaffen hat. Der Künstler benutzt für diese Serie von Bildern wieder sein spezielles Fotopapier, das direkt belichtet wird, aber diesmal mit der Hilfe eines 2x2 Meter großen Kubus aus Metall. Dieser Kubus wird sorgfältig in der Landschaft positioniert und spiegelt an seinen Außenwänden die Umgebung wieder. Das alleine gibt ein spektakuläres Bild mit Effekten, die unsere gewöhnliche Wahrnehmung ziemlich auf den Kopf stellt. Dann setzt sich der Künstler in den Kubus hinein und nutzt den Innenraum als „Camera Obscura“. Er wartet auf den perfekten Lichteinfall, vergleichbar mit einem Impressionisten, der genau studiert, wie das Licht die Landschaft modelliert. Dann beginnt der Belichtungsprozess auf der Rückwand des Kubus durch eine Öffnung, die den Lichtstrahl lenkt. So entstehen einzigartige Motive, die den Betrachter wie von Magie in sich hinein saugen und eins werden lassen mit den wunderschönen Nuancen von Farbe, Form und Licht der Natur.

Und wieder finden wir: das ist Yoga und Lebenskunst pur. Vielen Dank für diese Leihgaben, die den Geist unseres Zentrums so schön unterstreichen und hervorbringen.

Auf eine gute Nachbarschaft und noch viele inspirierende Ausstellungen, die wir gemeinsam erleben dürfen. Seid ihr neugierig auf die nächsten Künstler?
Hier geht’s zu allen Informationen über die Galerie. (facebook.com/00aGallery oder http://martinellichristian.wix.com/ip) Wir freuen uns schon auf die vielen Highlights, die spannenden Austausche und gemeinsame fröhliche Stunden!  


Ganz ich selbst sein in Gemeinschaft – Geht das?“ mit Evelyn Oberleiter

Vortrag mit Evelyn Oberleiter, 19.05.2016
zusammengefasst von Martina de rosi

Eveyln Oberleiter vom Terra Institute in Brixen war dieses Mal beim Philosophischen Kreis zu Gast in unserem Zentrum und hat ein Thema mitgebracht, das äußerst vielschichtig ist und Menschen in verschiedensten Zusammenhängen berührt und beschäftigt. Wir Menschen sind keine Alleingänger und wir brauchen Gemeinschaft. Oft geschieht es aber schon recht früh, dass wir lernen, dass wir uns anpassen müssen um in unserem Umfeld, Familie, Schule, Arbeit und Freundeskreis akzeptiert und für gut befunden werden.

Aber was bedeutet überhaupt Gemeinschaft und wie merke ich, dass ich in einer Gemeinschaft authentisch sein kann? Evelyn hat uns ihre Geschichte bei Terra erzählt und uns so einen Einblick gewährt in ihr Verständnis von Gemeinschaft. Schon vor der Gründung vom Terra Institut sind ihr Lebensgemeinschaften verschiedenster Art auf ihrem Weg begegnet wie beispielsweise spirituelle Lehrer, die Menschen um sich scharen oder gleichgesinnte Menschen, die sich zusammenfinden und versuchen auf Grund von gemeinsamen Idealen Lebensräume zu schaffen. Aber immer wieder hat Evelyn auch beobachtet, wie diese Verbindungen nach einer Weile wieder zerbrachen und zum Teil gar kein Kontakt mehr möglich und gewünscht war. Und mit diesen Erfahrungen hat Evelyn die Geschäftsführung bei Terra Institute übernommen und sich jetzt selbst in der Situation wiedergefunden, eine Gemeinschaft, in diesem Fall eine Gemeinschaft von Menschen, die zusammenarbeiten sollen, zu leiten. Zunächst war diese Aufgabe mit einer Krise und vielen Fragen verbunden. Fragen danach wie Führung für sie aussehen kann, damit sie als Mensch und Persönlichkeit authentisch bleiben kann, aber auch die Geschäftspartner und Mitarbeiter mit all ihren Eigenheiten, Stärken, Schwächen und Vorstellungen, die manchmal auch abweichend von einander sein können, Platz finden.

Wenn wir uns Beziehungen ansehen, gibt es verschiedene Arten und Qualitäten von Miteinander. Es gibt Beziehungen, die geprägt sind von sogenannten Funktionalisierungen, was so viel bedeutet wie, dass der Kontakt zwischen den Menschen von Erwartungshaltungen, Vorstellungen und Bedingungen geprägt ist und demnach nicht frei ist. Solche Beziehungen finden sich häufig sowohl in privaten als auch in arbeitsbezogenen Kontexten in unserer oft sehr hierarchisch ausgerichteten Gesellschaft. Emanzipieren sich Menschen aus diesen Beziehungen und entscheiden sich dafür nicht mehr den Erwartungen, die an sie gestellt werden zu entsprechen und sie zu erfüllen, drohen Gemeinschaften daran zu zerbrechen. Gelingt es aber einen Umgang mit der Freiheit zu finden, die ein solcher Bruch mit sich bringt und lernen die Menschen dabei ihre eigenen Grenzen und die der anderen kennen, kann echte Gemeinschaft beginnen. Wenn schwierige Momente auftauchen, entwickeln diese Menschen eine Fähigkeit, in Kontakt mit sich selbst zu bleiben und sich zu fragen, warum etwas für sie gerade so schwierig ist. Das befreit sie davon, die anderen verurteilen zu müssen und erlaubt es ihnen sich zu zeigen, in dem Vertrauen, dass auch der andere damit umgehen kann, dass ihm zugemutet wird, das Schwierige zu sehen und auszuhalten.

In diesem Sinne wird Gemeinschaft ein Prozess mit sich selbst, in dem Menschen immer wieder anschauen was bei ihnen selbst los ist und was in einen Dialog gebracht werden kann. Je größer das Vertrauen wird, dass ausgesprochen werden darf, was gerade kompliziert, schwierig oder schmerzhaft ist, desto größer kann auch der Raum werden, in dem gemeinsam nach verbindenden Lösungen gesucht werden kann. Und es gibt Platz für Mitgefühl. Für sich selbst und für andere. Dadurch wird Gemeinschaft nicht leichter und weniger schmerzhaft, im Gegenteil, es ist immer wieder neu zu finden, was gerade verbindend da ist, manchmal ist auch eine dicke Haut notwendig um bestimmte Situationen aushalten zu können und den Kontakt nicht abzubrechen. Aber auf der anderen Seite können so auch die Freude, der Respekt und das Miteinander enorm wachsen. Echte Gemeinschaften strotzen vor Lebendigkeit und bieten Platz für Menschen, die wissen was für sie selbst wichtig ist ohne sich allzu viel davon beeinflussen zu lassen, was andere für richtig oder falsch halten, die wissen welchen (Lebens-) Auftrag sie haben und was sie antreibt und wie sie in Kooperation mit anderen ihren Zielen näherkommen können als alleine.

Und wenn Evelyn von dem Team bei Terra Institute erzählt, scheint sie ihren Weg der Führung genau darin gefunden haben, ein Teil einer solchen lebendigen Gemeinschaft zu sein. Und das strahlt sie aus. Vielen Dank, Evelyn, für die spannenden Stunden mit dir.  


Da Sein als Grundlage für Kontakt, Begegnung und Beziehung

Vortrag mit Brie presker, 08.04.2016
zusammengefasst von Martina de rosi

Aus Graz ins Yoga Shiatsu Zentrum Meran angereist mit einem Koffer voller Erfahrungen und Geschichten und einer guter Portion Humor ist Brie Presker, Lehrtrainerin für Gestaltpädagogik und Gestaltberaterin, Supervisorin und Coach, und hat einen großen Kreis bunt gemischter, neugieriger Teilnehmer angetroffen.

Da-Sein, auch Resonanz genannt, und wie dieses Phänomen uns und unsere Beziehungen beeinflusst, ist das Thema des Abends. Das Wort Resonanz enthält die Silbe „son“, wie übrigens auch das Wort Person. „Son“ wie Klang, also bedeutet Resonanz so etwas wie Wiederklang und wir als Personen, sind Wesen, die klingen.

Wann aber klingen und schwingen wir besonders gut? Wenn wir das Gefühl haben, es ist stimmig in uns. Schon Aristoteles beobachtete: „Ganz im Einklang mit uns selbst zu sein, ist das größte Glück.“

Wenn wir Menschen verstehen wollen, wie sich Resonanz anfühlt, kann es sehr hilfreich sein, sich in die eigene Kindheit zu versetzen. Wann gab es Momente als Kind, in denen alles stimmte, Raum und Zeit keine Rolle spielten und es sich einfach richtig anfühlte? Viele in unserer Runde können dieses Gefühl finden, wenn sie an Erlebnisse in der Natur denken oder in Erinnerungen an Abenteuer in Freiheit außerhalb der vorgegebenen Grenzen. Andere verbinden Resonanz mit Singen, Tanzen und kreativem Schaffen. Sogar wohliges Brummen kommt als Ausdrucksform von Resonanz in der Runde vor. Also scheint dieses Grundgefühl wirklich im wahrsten Sinne des Wortes auch etwas mit Klang und Schwingungen zu tun haben. Und es scheint uns gut zu tun in Einklang zu sein.

Brie Presker erklärt dazu, dass es in unserer Natur liege, gemeinsam zu schwingen. Dazu gibt es genügend Beispiele aus der Natur. Vogelschwärme fliegen synchron ohne sich durch Worte abzustimmen, Fische schwimmen in Formationen, Glühwürmchen beginnen wie auf Kommando gleichzeitig zu leuchten. Also muss es eine Art Verständigung geben, die uns miteinander in Kommunikation verbindet, die weit über Worte hinausgeht. Wir Menschen bestehen aus 7 Billionen Zellen und jede von ihnen weiß, welche Aufgabe sie hat und mit welchen anderen Zellen im Körper sie zusammenarbeiten muss, damit das Wunder Mensch funktioniert.

Unser Herz besteht aus Sinusknotenzellen, die kooperieren und unser Herz zu einem Wahrnehmungsorgan machen, das Resonanz besonders gut spüren kann. Von Herz zu Herz können Schwingungen aufgenommen und verstärkt werden. Diese Fähigkeit kann ganze Gemeinschaften zusammenhalten und schafft einen Mehrwert, der weit über die Summe der einzelnen Teile hinausgeht. In dieser Erkenntnis steckt ganz viel kreatives Potential. Diese Kraft der Kooperation und der Gemeinschaft steht im Kontrast zu der konkurrenzorientierten Theorie von Darwin, die besagt, dass nur der Stärkste überlebt und uns damit zu isolierten Einzelkämpfern macht.

Dieser Ansatz und noch viele weitere Faktoren, die vor allem unsere westliche Kultur prägen, führen dazu, dass wir diese natürliche Fähigkeit in Resonanz zu gehen, zu kooperieren und dadurch befruchtende Begegnungen und Beziehungen zu schaffen, weitgehend verlieren. Was dann passiert, ist, dass wir den Kontakt zu anderen verlieren und letztlich auch zu uns selbst. Und das macht uns nicht glücklich. Die Gefahr, die dann besteht, ist, dass wir ein fremdbestimmtes Leben führen, in dem wir Werten und Zielen nachlaufen, die uns die Gesellschaft, der Arbeitgeber oder das Familienumfeld vorgibt. Wir werden stumpf und spüren uns selbst nicht mehr. Im schlimmsten Falle werden wir krank.

Was kann uns dabei helfen unsere natürlichen, freudvollen Schwingungen wieder zu entdecken? Wir können uns Zeit nehmen um an uns selbst zu arbeiten, unsere „ICH-Stärke“ zu finden. Und wir können erkennen und Kraft daraus schöpfen, dass wir keine Einzelkämpfer sind, sondern eingebettet sind in ein größeres Ganzes. Wir sind nicht alleine und sind auch genetisch nicht dazu gemacht alleine zu sein. Unsere Gene haben eine innere Energie, die aber auch durch äußere Einflüsse angefeuert wird. Die Schwingungen, die durch Beziehung entstehen, entsenden bioenergetische Signale, die nachweislich unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit stärken.

Die gute Nachricht ist, dass unser Gehirn jederzeit gerne lernt. Sollte also in unserem Leben das Gefühl der Stimmigkeit abhandengekommen sein, sollte es vielleicht sogar sein, dass wir in schwierigen Zeiten gelernt haben, uns weg zu beamen aus jeglicher Verbindung, können wir jetzt wieder Erfahrungen schaffen, die gesunde Schwingungen erzeugen. Unser Gehirn liebt es mit Freude und Neugierde zu erforschen und zu lernen. Jeder nimmt Erfahrungen unterschiedlich wahr. Daher geht es auch nicht darum, dass jeder dasselbe wahrnehmen soll und Resonanz bedeutet auch nicht, dass in jedem Moment die Welt nur freudig, stimmig und harmonisch ist. Es geht darum in Verbindung zu sein, mit dem was gerade lebendig ist und in einem selbst und in den anderen schwingt. Die Schönheit von Verbindung und Beziehung zu sich selbst und zu anderen kann gerade aus der Vielfalt von Klängen entstehen. Sozusagen bildet sich der schönste Einklang aus dem Vielklang.

Beim Erforschen kann es sein, dass wir auf verschiedene Faktoren stoßen, die unsere Resonanz stören. Vor allem die verschiedensten Ängste, die in uns wohnen, machen sich gerne als Störenfriede bemerkbar. Welche Ängste uns im Einzelnen beherrschen oder beeinflussen, kommt ganz auf unsere persönlichen Lebensgeschichten an. Einige haben Angst davor nicht mehr dazu zu gehören, wenn sie nicht den Erwartungen der anderen entsprechen und fürchten sich davor als Versager abgestempelt zu werden oder verlassen zu werden. Andere glauben, sie seien nicht lieb und altruistisch genug um von anderen angenommen zu werden, wenn sie sich um die eigenen Bedürfnisse kümmern. Oder es machen sich existentielle, finanzielle Ängste breit, die dadurch geschürt werden, dass unsere Gesellschaft eine Vorstellung prägt, die uns antreibt, immer schneller, immer mehr haben zu wollen und zu müssen und wir uns dadurch nicht mehr frei fühlen, das zu tun, was uns Freude macht oder auch mal gar nichts zu tun.

Trotz dieser Hindernisse, lohnt es sich laut Brie aber, sich auf die Suche zu machen und hinzuschauen. Es verbirgt sich so viel kreatives Potential in uns, das uns gesund und glücklich machen kann. Beginnen können wir damit, uns auf die stimmigen Momente aus unserer Kindheit zu besinnen und uns immer wieder ein wenig Raum dafür zu schaffen kleine Resonanzinseln in unseren Alltag zu bringen und unseren Geist so langsam wieder zu schulen unseren wunderschönen Klang und die Konzerte, die uns umgeben, wahr zu nehmen. Viel Spaß beim Erforschen und danke von Herzen liebe Brie, dass du die Gruppe zum Schwingen und Klingen gebracht hast.


Meine Freiheit – Deine Freiheit

vortrag mit renate kuen, 18.03.2016
zusammengefasst von martina de rosi

Was ist meine Freiheit und was ist deine Freiheit? Das war die Fragestellung, die Renate Kuen, Montessori Pädagogin mit Vertiefung in Gestaltpädagogik, mit zum Workshop ins Yoga Shiatsu Zentrum gebracht hat. Standardantwort gibt es auf diese Frage wohl keine, also war das Ziel Erfahrungen zu machen und zu teilen und dadurch neue Einsichten und Ansichten zu gewinnen.

Wenn wir uns mit dem Thema Freiheit auseinandersetzen, tauchen auch Begriffe wie Grenzen, Strukturen und Regeln auf, die auf den ersten Blick ein Gegensatz zu oder Hindernis für unsere gelebte Freiheit sein zu scheinen. Schon rein körperlich sind wir nicht unbegrenzt frei, was die Gruppe schnell merkt, wenn es darum geht in verschiedenen Geschwindigkeiten durch den Raum zu gehen. Es gibt Wände, die uns bremsen, eine Säule, die im Weg steht und die anderen Menschen, die sich ihren Weg durch den Raum bahnen. Wie weit geht es da mit meiner Freiheit? Ich kann den Rhythmus bestimmen, ich kann entscheiden in welche Richtung ich gehen will und ich kann entscheiden, ob ich es auf eine Kollision ankommen lasse oder ausweiche. Und ich kann nachspüren, was das mit mir macht. Irritiert es mich, wenn ich Rücksicht auf andere nehmen muss? Oder macht es mir Spaß im Zick-Zack durch den Raum zu flitzen und anderen auszuweichen? Oder freu ich mich gar anderen den Weg frei zu machen? Wie frei oder eingeschränkt fühl ich mich dabei? Eine solche einfach scheinende Übung kann schon einen großen Aufschluss darüber geben, was wir für uns ganz persönlich mit dem Begriff Freiheit verbinden.

Unser subjektives Verständnis von Freiheit geht zurück bis in unsere Kindheit. Habe ich mich als Kind, Teenager und junger Erwachsener frei gefühlt? Auf einer Linie von „ganz frei“ bis „gar nicht frei“ positionieren wir uns und in Paaren reflektieren wir dann, warum wir uns dorthin gestellt haben, was uns geprägt hat. Was hat mir das Gefühl von Freiheit vermittelt und was hat mich in meiner Freiheit behindert als ich klein war und bis heute? Dabei wurden bewusst gegensätzliche Positionen auf der Linie zu Paaren kombiniert.

Erstaunlicherweise ist in der anschließenden Runde, in der die Erfahrungen und Überlegungen der einzelnen Teilnehmer, geteilt wurden, herausgekommen, dass es jenen, die ganz wenig Freiheit hatten und jenen, die ganz viel Freiheit hatten, ein Stück weit ähnlich ergangen ist. Jene, die ganz wenig Freiheit hatten, weil sie in strengen Familien aufgewachsen sind, hatten das Gefühl ausbrechen und sich mit Gewalt Raum schaffen zu müssen, was auch zu Exzessen geführt hat. Jene hingegen, die sich ganz frei gefühlt haben, weil sie in einem Umfeld aufwuchsen, in dem alles erlaubt war, hatten dabei aber auch ein Gefühl der Leere und der Einsamkeit. Und auch in diesem Fall wurde zum Teil exzessiv mit Erfahrungen experimentiert, die diese Leere füllen sollten. Das führt zu dem Gedanken, dass es für Menschen sowohl schwierig ist, wenn sie zu vielen Regeln und Strukturen unterworfen werden, aber, dass es genau so schwierig ist, gar keine Regeln und Strukturen zu haben. Also scheint die Schlussfolgerung zu sein, unbeschränkte Freiheit macht nicht glücklich. Es scheint sich abzuzeichnen, dass es um ein harmonisches Gleichgewicht geht, das es zu finden gilt.

Was macht uns dann glücklich, was ist das richtige Maß an Freiheit? Maria Montessori gibt folgenden Denkanstoß zur Freiheit und Unabhängigkeit: „Die Unabhängigkeit ist eine Art Vorstufe der Freiheit. Und unter Unabhängigkeit versteht man Menschenwürde.“ Aus ihrer Sicht ist also Freiheit im Sinne der persönlichen Unabhängigkeit ein wichtiger Bestandteil eines würdigen Menschenlebens. Das heißt Kontrolle, Schaffung von Abhängigkeit, Machtausübung und Unterdrückung sind menschenunwürdig.

Und doch scheint es noch eine andere Dimension zu geben, die nicht zu vernachlässigen ist. Der Mensch ist ein soziales Wesen und sucht den Kontakt und die Beziehung zu anderen. Das Zusammenleben mit anderen bringt aber, wie wir schon in der einfachen Übung mit dem Gehen durch den Raum erfahren haben, auch die Notwendigkeit mit einen kleinen Teil der individuellen Freiheit aufzugeben um Gemeinschaft zu ermöglichen. Und vielleicht brauchen wir Menschen genau das. Vielleicht wollen wir ganz achtsam und bewusst ein kleines bisschen unserer Unabhängigkeit, einen kleinen Teil unserer uneingeschränkten Bewegungsfreiheit aufgeben, damit wir Beziehung leben können und gemeinsam Rahmenbedingungen verhandeln können, die für alle menschenwürdig sind und uns das Gefühl von Zugehörigkeit und Fülle schenken können.

Und was bedeutet für dich Freiheit?

Vielen Dank, Renate, für diese wertvollen Impulse. 


Kann ICH wirklich nichts ändern?

vortrag/dialog mit günther reifer, terra institute, 11.02.2016
zusammengefasst von martina de rosi

Die Frage können, wollen oder müssen wir etwas an unserer Lebensweise ändern und welche Auswirkungen haben unsere persönlichen Entscheidungen auf das große Ganze aus dem Blickwinkel der Nachhaltigkeit, war die zentrale Frage des philosophischen Kreises rund um Günther Reifer im Yoga Shiatsu Zentrum Meran.

Dafür ist zunächst der Begriff der Nachhaltigkeit zu klären. Was bedeutet nachhaltig eigentlich und warum ist nachhaltig anstrebenswert? Begriffe wie Ressourcenknappheit, Overshoot-Day (der Tag im Jahr in dem wir die natürlichen Ressourcen aufgebraucht haben, die der Planet in einem Jahr wieder erneuern kann und nach dem wir auf Kredit mit der Natur leben), ökologischer Fußabdruck, Klimaabkommen und Schutz der Natur und der Menschen waren Schlagworte, die sofort aufgetaucht sind. Das sind Hinweise darauf, dass wir uns bewusst sind, dass wir, so wie wir im Moment leben, Probleme schaffen.

Wer kann und muss aber daran etwas ändern? Ist es die Politik, sind es die mündigen Konsumenten oder die Unternehmen, die ein Umdenken bringen können? Günther Reifer vom Terra Institute hat für sich die Einsicht gewonnen, dass die Unternehmen systemisch gesehen, die besten Voraussetzungen haben einen Wandel einzuleiten. Auch Wirtschaftsexperten haben sich mit der Frage nach der Verantwortung von Unternehmen in einem gesellschaftlichen Kontext beschäftigt und sich gefragt, wie die unternehmerische Entwicklung nachhaltig sein kann. Am Beginn der Industrialisierung war es klar, dass Unternehmen die Aufgabe haben Produkte herzustellen. Je effizienter, je funktionaler ein Produkt, desto besser das Unternehmen. Das nennen wir heute Wirtschaft 1.0. Als Märkte gesättigter wurden, ist die Einsicht gewachsen, dass es nicht ausreicht ein funktionierendes Produkt zu haben, das rein auf dem Prinzip der Nachfrage basiert, sondern, dass es noch eine Zielfunktion geben muss, die sich Kundenzufriedenheit nennt. Und bald wird den fortschrittlicheren Unternehmen auch klar, dass sie um ihre Kunden zufrieden stellen zu können, auf zufriedene Mitarbeiter bauen müssen. Jetzt sind wir in Wirtschaft 2.0 angekommen. In dieser Entwicklung ist der Unternehmenszweck nach wie vor ein wirtschaftliches Wachstum und Profit, das dem Unternehmen seinen Fortbestand in einem linearen Wirtschaftsmodell gewährleistet.

Inzwischen gibt es ein weiteres Modell, das Unternehmen eine Aufgabe zuspricht, die über ein geschlossenes System mit dem Ziel für sich selbst Profit zu erwirtschaften hinausgeht. Es geht dabei um den Gedanken, dass Unternehmen das Ziel haben, die Welt zu verbessern. Das heißt, solche Unternehmen werden von Werten geleitet, die über ihren wirtschaftlichen Fortbestand und lineares Wachstum ohne Ende hinausgehen und sich vielmehr die Frage stellen, wie ein Produkt über seinen gesamten Lebenszyklus fair gestaltet werden kann und am Ende seines Lebens so wiederverwertet werden kann, dass kein Abfall entsteht. Und, dass die Menschen, die in diesen Zyklus eingebunden sind, faire Arbeits- und Lebensbedingungen haben und für sich einen Sinn in ihrer Arbeit finden können. So funktionieren im Moment noch die wenigsten Unternehmen.

Und das führt zur Überlegung, dass wir bis heute in einer Blase leben: die Blase des Industriezeitalters.

Wir haben bisher gelebt in der Überzeugung fossile Brennstoffe enden nie, globale Produktion ist gewinnbringend, Abfall ist eine natürliche Konsequenz unseres Lebens, Standardisierung steigert Effizienz und Gewinn ist das Ziel unseres Wirtschaftens. Günther Reifer ist überzeugt: „Diese Blase wird platzen und wir wissen nicht, was dann passiert.“ Aber es gibt Modelle, die versuchen aus dieser Blase hinaus zu denken: von fossilen Brennstoffen zu erneuerbarer Energie, von globaler zu regionaler Produktion, von Abfallwirtschaft zu einem Kreislaufdenken, von Standardisierung zur Diversität und von Gewinn hin zu einem Gemeinwohlgedanken.

Unternehmer oder Unternehmensgruppen, die anfangen in diese Richtung zu denken, können schnell viel ändern. Aber was können wir als Individuen machen? Letztendlich funktionieren Unternehmen auch nur, wenn sie von bewussten Menschen von der Spitze über alle Mitarbeiter hinweg getragen werden und die Politik ist nur ein Spiegel der Gemeinschaft, die sie gewählt hat. Das bedeutet in logischer Schlussfolgerung, dass letztendlich jeder einzelne einen Einfluss auf das Ganze hat.

Wie wir denken und wie wir handeln, bildet in Summe unsere Systeme und unsere Welt. Wie können wir aber dahin kommen, dass wir in einer so komplexen Welt, die von ausgeklügelten, manipulativen Informationskanälen wie der Werbung und den Medien so stark dominiert wird, doch noch unbeeinflusst unsere Entscheidungen treffen zu können?

Günther Reifer bietet eine Reihe von Prinzipien an, die Orientierung bieten und, die uns dabei helfen können immer wieder inne zu halten und uns zu fragen, wie unser Verhalten sich gerade auf uns und unser Umfeld auswirkt.

Diese Prinzipien sind: Verbundenheit (Bin ich mit mir selbst, mit meinen Mitmenschen, mit der Natur verbunden?), Achtsamkeit (Bin ich mit meiner Aufmerksamkeit ganz bei der Sache und bin ich mir bewusst, was ich entscheide?), Eco-Effektivität (Wie verhalten sich meine Handlungen in Bezug auf die Faktoren in der industriellen Blase), Kreislaufwirtschaft (Weiß ich wo die Produkte und Dienstleistungen, die ich in Anspruch nehme herkommen und wie sie hergestellt sind? Weiß ich wo sie hingehen, wenn ich sie nicht mehr brauche?), die Suffizienz (Brauche ich wirklich, was ich kaufe und was ich verdiene, ist es irgendwann auch genug?), die Resilienz (Habe ich die Kraft und Standfähigkeit konsequent zu sein auf meinem Weg?) und die Diversität (Achte ich darauf, dass ich in mein Leben eine gesunde Vielfalt bringe?).

Und ein letzter Faktor, aber ein nicht minder wichtiger, ist etwas das als Individuation bezeichnet werden kann. Bin ich mir bewusst, wer ich bin, welche Fähigkeiten und Möglichkeiten ich habe und wie ich diese in die Gesellschaft einbringen kann? Und habe ich die Kraft, mich immer wieder darauf zu besinnen und meinen Weg Schritt für Schritt zu gehen in dem Bewusstsein, dass jeder von uns eine Aufgabe und Verantwortung hat und jeder von uns mit jedem seiner Gedanken und achtsamen Gesten seinen Beitrag zu einer gesunden Welt leisten kann?

Viele große Gedanken in zwei Stunden Vortrag, die wohl in vielen Köpfen noch weiterarbeiten werden. Bei jeder/m auf die eigene Weise.


 

Interpretationen unseres Geistes – Warum wir uns verstehen oder missverstehen.

Vortrag von Swami Nitya, 21.01.2016
Zusammengefasst von Martina De Rosi

Es gibt so viele Wahrheiten, wie es Menschen auf der Erde gibt. Jeder von uns kommt in einem unterschiedlichen Kontext auf die Welt, erlebt schon im Mutterleib prägende Erlebnisse, macht als Kleinkind Erfahrungen mit den Eltern, der Umwelt und sich selbst, die Spuren im Gehirn hinterlassen und so unsere Wahrnehmung der Welt stark beeinflussen. Wir können uns unser Gehirn in diesem Zusammenhang wie eine große Computerdatenbank vorstellen, die alles abspeichert, was wir erleben.

Ein Kind entdeckt im Garten zusammen mit seiner Mutter an einem warmen Sonnentag eine wunderschöne rote Rose und die beiden freuen sich gemeinsam daran. Das Kind lernt eine Rose steht für Licht , Wärme und Liebe. Ein anderes Kind entdeckt die Rose im Garten alleine, greift danach und sticht sich an den Dornen. Die Mutter schimpft, weil das Kind nicht aufgepasst hat, sich mit dem stinkenden Dünger schmutzig gemacht hat und nur Ärger verursacht. Dieses Kind hat demnach die Rose als Gefahr, mit Ärger und Schmerz verbunden, abgespeichert. Jedes Mal wenn diese Kinder wieder in Berührung mit einer Rose kommen, werden diese Assoziationen wach gerufen und die Programmierung im Gehirn wird noch verstärkt. Treffen nun diese beiden Menschen später aufeinander, vielleicht bei einem Rendezvous in dem ein Strauß Rosen als Zeichen der Wertschätzung und Liebe mitgebracht wird, wird beim dem Mädchen, die mit Rose Schmerz und Ärger verbindet nicht dieselbe Botschaft ankommen, die der Junge damit vermitteln wollte, und reagiert mit Ablehnung. Und beide verstehen nicht warum der andere sich so verhält. Ein Missverständnis.

Wir sehen immer nur einen Teil der Welt, und zwar jenen, den wir durch unsere Erfahrungen begriffen haben. Etwas, das wir nicht kennen, können wir nicht wahr nehmen und schon gar nicht verstehen. Wenn nun Menschen aufeinander treffen, die unterschiedliche Erfahrungen gemacht haben, sind Missverständnisse vorprogrammiert. Das können wir auch gar nicht vermeiden. Was wir tun können, ist es, uns bewusst zu werden, dass wir immer nur einen kleinen Ausschnitt des großen Ganzen sehen, dass wir, jeder für sich in unserer kleinen Welt gefangen sind. Wir können versuchen zu verstehen, wie wir zu unseren Perspektiven und zu unseren Glaubenssätzen gekommen sind und warum wir so reagieren wie wir es tun:

„Wie könnt ihr andere verstehen, wenn ihr euch selbst nicht versteht.“ Swami Rama

Uns selbst kennen und verstehen zu lernen, können wir am besten, wenn wir uns einen Raum der Stille schaffen, in dem sich unsere Gedanken beruhigen können und wir klar sehen können, was in uns selbst vorgeht. Wie das Spiegelbild vom Mond auf einer klaren Wasseroberfläche. Ein Weg diese Stille und Klarheit in uns zu finden, kann die Meditation sein. Wenn wir es schaffen mit diesem Bewusstsein anderen Menschen zu begegnen, können wir dadurch zwar unsere Wahrheiten und die der anderen nicht verändern, aber wir können anders zuhören. Wir können akzeptieren. Wir können versuchen uns einzufühlen und dadurch ein Gespür dafür bekommen, was den anderen dazu bewegt eine andere Sichtweise als unsere zu haben. Wir können mit dem Herzen hören. Wir können lernen unsere Wahrheit nicht als die einzige Wahrheit zu sehen und nicht immer mit Nachdruck unseren Standpunkt als den einzig richtigen durchsetzen zu wollen. Und das wiederum öffnet Räume für neue Erfahrungen, die es uns und auch den anderen ermöglicht, neue Informationen im Gehirn zu programmieren, die unseren Horizont erweitern und unser Verständnis auch über geografische Grenzen, Kulturen und Religionen hinweg vergrößert. Das bedeutet nun nicht, dass es eine Welt ohne Missverständnisse und unterschiedlicher Sichtweisen geben kann. Gerade diese Vielfalt macht die Schönheit unserer Welt auch aus. Aber es gibt Hoffnung darauf, dass wir lernen können mit den unterschiedlichen Wahrheiten friedlich umzugehen und, dass wir eine Welt schaffen können, die nicht von Aggression, Kampf und Krieg bestimmt wird, sondern von Neugierde und Offenheit dem anderen gegenüber und Akzeptanz über die abgespeicherten Programme in unserer Computerdatenbank hinaus. Das macht einen Menschen aus.